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Das Programm ist nur in einem anderen Paket-Format vorhanden und es selbst zu kompilieren schlägt fehl.
Was nun ?
Wie weiter ?


Am Beispiel des unfreien Programms Xephem

Debian-Linux verfolgt die strikte Politik, nur und ausschließlich echt freie Software zu verwenden.   Daher ist es auch gerechtfertigt, betreffend Debian-Linux von einem wahrhaft freiem Betriebssystem zu sprechen. Das heißt dann aber auch in der Praxis, dass andere Linux-Distributionen unter Umständen Pakete anbieten, die man in Debian vergeblich sucht. Vielfach meinen dann Unkundige, dass aus Unvermögen oder mangelnder Qualität der Distribution geschähe, aber der Grund ist eben nur der eben angeführte, nichts anderes. Mir begegnete ein solcher Umstand schon mehrmals, z.B. bei der Suche nach einem Währungsumrechner, den es im Linux für KDE unter dem Programmnamen kexchange gibt. Hier war als einziges nur kexchange_0.3_3_i386.rpm zu finden, nirgendwo aber ein passendes Debianpaket.
Gleiches widerfuhr mir vor ein paar Wochen schließlich mit einem für mich sehr außerordentlich wichtigen Programm, an dem ich gleichzeitig eine Möglichkeit aufzeigen will, wie man sich beschriebenen Falle trotzdem helfen kann. Für mein Hobby bevorzuge ich das OpenSource-Programm Xephem.  Hinzu kam, dass Xephem jahrelang gewohnt in Debian enthalten war und super funktionierte.  Das Astronomieprogramm Xephem als Version 3.5.-2 aus dem old-stable Zweig, sprich aus der Woody funktionierte auch in den Zeiten der Sarge, als sie noch "testing" war. Damit war im Februar/März 2005 plötzlich Schluß und mich überraschte Xephem mit einer anfangs lapidar erscheinenden Fehlermeldung. Ich glaubte mit der Nachinstallation einiger Schriftfonds die Sache zu bewältigen, aber das einzige, was dabei passierte, war eben nichts. Ich holte mir von der Seite
http://www.clearskyinstitute.com schließlich die tar.gz-Datei und kompilierte mir das Programm mit dem bekannten Dreisatz selbst, mitunter klappt so etwas - aber die Fehlermeldung blieb. Das Programm startete nicht.




Inzwischen ging etwas Zeit ins Land - Geduld, gepaart mit Hoffnung, ist eine größten Tugenden eines nicht selbst programmierenden Pinguins. Erwartungsgemäß entwickelten die Linux-Programmierer die Version xephem_3.6.4-3 für andere Distributionen, aber bei Debian tat sich nichts und das hatte aus der Sichtweise von Debian auch seinen Grund. Xephem ist zwar ein frei und kostenlos ladbares Programm, aber die hierfür erforderlichen Kataloge der gesamten Sterne, Messier-Objekte und allem, was sonst noch dazu gehörte, sind es nicht. Das war der Grund allen Ärgers. Damit war wahrscheinlich erstmal das Interesse im Hause Debian an der Weiterentwicklung von Xephem auf kleinster Flamme; bis heute wird auch leider kein passendes Debian-Paket auf einem der Server, auch nicht auf den inoffiziellen angeboten. Mittels der Suchmaschine http://www.rpmseek.com/index.html findet man aber ein RPM-Paket, welches für die Distribution Fedora entwickelt wurde. Damit hat man fast schon gewonnen.


OK, ein RPM-Paket gibt es also - Was nun macht man damit?

Auf jedem Debian-Rechner sollte das Programm alien installiert sein. Wenn nicht, dann holen Sie das in der Root-Konsole mit dem Befehl
apt-get install alien
auf jeden Fall nach, denn dieses kleine Programm hilft Ihnen dabei, ein passendes Debian-Paket zu erstellen. Angenommen, Sie haben das RPM-Paket erfolgreich in Ihr Home-Verzeichnis geladen, dann rufen Sie die Konsole auf, verschaffen sich Rootrechte und veranlassen alien, das RPM-Paket in ein Debian-Paket umzurechnen. Das sieht dann so aus:


username@debianbox:~$ su Enter
Password: hier geben Sie das Rootpasswort ein Enter
debianbox:/home/username# alien xephem-3.6.4-2.i386.rpm Enter
xephem_3.6.4-3_i386.deb generated
debianbox:/home/username# exit Enter


Grün sind Ihre Eingaben, die Sie einzutippen haben, der Klapps auf die Entertaste ist wiederum in Rot dargestellt, Schwarz ist das, was Sie in der Konsole sehen. Schließlich die Meldung des Programms, das RPM-Paket erfolgreich in ein Debian-Paket umgewandelt zu haben, habe ich hier violett hervorgehoben. Die Umwandlung selbst, kann je nach der Leistungsfähigkeit des System in wenigen Sekunden bis zu Minuten dauern. Wenn die Meldung erfolgreich ist, verlassen Sie mit der Eingabe von exit und Enter den Root-Account. In Ihrem Home-Verzeichnis finden sie jetzt neben dem RPM-Paket ein Debian-Paket, welches darauf wartet installiert zu werden. Das geht grafisch ganz einfach. Öffnen Sie das Debian-Paket mit kpackage, was Sie unter Umständen schon RedHat oder anderen RPM-gestützten Distributionen kennen. Sie werden bei dem Vorgang zur Eingabe des Root-Passwortes aufgefordert. Unter Umständen kann es sein, dass kpackage sich weigert xephem zu installieren, weil das eine oder andere Paket an Abhängigkeiten fehlt, aber das ersehen Sie aus der Meldung und um diese fehlenden Programm nach zu installieren und dann mit kpackage xephem gegebenfalls nochmal zu installieren, dafür haben Sie ja das Superprogramm synaptic, das sich bei der Systeminstallation schon bestens bewährt hat.
Die Bibliotheken libc6, libice6, libsm6, libx11-6, libxext6, libxmu6, libxp6 und libxt6 werden Sie in der Regel nicht nachträglich installieren müssen, weil diese schon durch etliche andere Programme auf einem System benötigt werden und vorhanden sind. Meist aber ist das Programm lesstif1 noch nicht vorhanden, dass sie mit einem einfachen

apt-get install lesstif1

in der Root-Konsole auf Ihr System bekommen. Zumeist wird dann das fehlgeschlagene Programm xephem gleich automatisch mit installiert, wenn nicht, bemühen sie nochmals kpackage.

Warum das alles ein bischen kompliziert ist, habe ich eingangs versucht zu ergründen. Es hängt mir der Konsequenz zusammen, mit der Debian unfreie Programme nicht in sein System von vornherein mit hinein nimmt.

Schauen Sie sich das nebenstehende Bild an, welches synaptic unter der Option Eigenschaften eines Pakets erbringt. Sie lesen hinter dem Begriff Sektion neben "Sonstiges - textbasiert" auch das kleine Wörtchen unfrei.
Genau das ist der Grund, warum das Interesse bei Debians für Xephem nicht gerade überschäumt.

Nun mag es durchaus sein, dass so richtig hartgekochte Debian-Profis aus diesem Grunde, d.h. aus reiner Überzeugung, das Programm xephem nur deshalb nicht benutzen.

Ich sehe das aber so, dass Xephem für Linux zum freien Download zur Verfügung gestellt wird und deshalb auch verwendet werden kann. Diese Entscheidung trifft jeder für sich selbst allein, ohne damit gegen irgendwelche Gesetze zu verstoßen, egal, wie er sich entscheidet. Man braucht also bei der Verwendung von Xephem keine Sorge zu haben, irgendwelche Lizenzrechte zu verletzen oder gar als Raubkopierer zu gelten. Diese harte Handhabungsweise ist mir persönlich von keiner anderen Linux-Distribution so bekannt. So ist es eben bei Debian etwas umständlicher, aber es geht und jeder kann es hinkriegen. Und wenn die Xephem-Entwickler un die Debian-Entwickler sich mal irgendwann doch einigen sollten, wird Xephem auch wieder offiziell in den Debian-Quellen zu finden sein. Ich schrieb es ja schon - Geduld und Hoffnung sind die Haupttugenden eines Linux-Pinguins. Ein Debian-Pinguin muss davon eben ein bischen mehr aufbringen.


Das aktuell-neueste Beispiel ist OpenOffice-2.0-beta.

Einerseits liegen hier zwar die Sourcendateien vor, aber das selbst Kompilieren ist nicht jedermannes Sache und fast immer fehlt irgendwas auf dem System und es kommt nicht einmal zur Bildung einer makefile-Datei, geschweige denn zu einer Installation. Diesmal ist es aber nicht Debian, sondern eine ureigenste Entscheidung des Entwickler-Teams von OpenOffice neuerdings nur Sourcenpakete anzubieten. Erfahrungsgemäß scheitern aber Newbies am Kompilieren von Quellpaketen fast immer. Im Falle von OpenOffice ist das aber wieder kein allzu großes Problem, denn auch hier findet der Suchende bei rpm-seek entsprechende RPM-Pakete. Inwieweit die Entscheidung, alleinig nur Sourcendateien zu veröffentlichen, auch nach Freigabe der Version 2.0 weiter bestehen bleibt, bleibt abzuwarten.
Dass bereits wieder RPM-Pakete andererorts downloadbar sind, zeigt zumindest, dass ein Bedarf an vorkomplierten Paketen besteht.
Es sind auch diesmal wiederum Fedora-Pakete, die man sich in ein extra Verzeichnis (hier bei mir im Verzeichnis /home/username/download/openoffice-2/~ ) downlädt, dann als root in dieses Verzeichnis wechselt und mittels

rechnername:/home/username/download/openoffice-2# alien *.deb

erstmal das System veranlaßt, aus den RPM-Paketen auch Debian-Pakete zu machen. Das kann, da es sich um etliche Pakete handelt, ein paar Minuten dauern. Klar ist ja sicher jedem, dass ein 2,0 GHz-Prozessor schneller ist, als eine ältere Schindmähre mit 300 Mhz, oder ? Ist die Aufgabe fertig, zeigt der Rechner wieder die Eingabeaufforderung mit blinkendem Cursor, so wie hier:

rechnername:/home/username/download/openoffice-2#

Danach gibt man zur Installation von OpenOffice-2 ebenfalls root:

rechnername:/home/username/download/openoffice-2# dpkg -i *.deb



ein und hat danach das neue OpenOffice-2 auch auf seinem System installiert. Entsprechend mit dem Menue-Editor gerichtet und in die Kontrolleiste eingebunden, sieht das dann so aus. Openoffice-2 meldet sich noch als 1.9, solange es sich in der Betaphase befindet und nicht offiziell als Final-Version freigegeben ist. Obgleich die Entwickler davor warnen, das Office schon als alleiniges Arbeissystem einzusetzen, erweist es sich als sehr schnell und stabil, als bedeutender Fortschritt gegenüber dem aktuellen OpenOffice 1.1.4

Ich empfehle trotzdem, alle mit OO-2 erarbeiteten Dateien noch im alten Format *.sxw (u.a.) abzuspeichern, denn solange man sich nicht entgültig entschieden hat, muss man im Hinterkopf immer den Gedanken behalten, dass OO-2 zwar abwärts kompatibel zu früheren Versionen ist; OO-1.1.x aber mit Dokumenten aus OO-2 nicht umgehen kann. Mann kann also mit OpenOffice 1.1.x keine Dokumente öffnen, wenn man diese im OpenOffice-2.0 als Dokumente im neuen universellen OO-format *.odt abspeichern würde.

Irgendwann steht man dann aber auch sicher mal vor der Aufgabe, die persönlich wichtigsten "alten" Dokumente aus der "OO-1.1.x-Ära" in das neue OO-2-Format *.odt umkonvertieren zu müssen. Steht zwar nirgendwo, aber das sind Erfahrungswerte